Am 24. Juli 1874 nachmittags 3 Uhr trafen sich die Flensburger Gast und Schankwirte in dem Saal des Gasthauses ,,Sanssouci“ bei Herrn Kieseby, um für Flensburg den Verein der Gast und Schankwirte für Stadt und Land zu gründen. Das war die Geburtsstunde des heutigen Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Kreisverband Flensburg und Umgebung e. V., der im Laufe der langen Geschichte viermal umbenannt worden war:

1928 Deutscher Gastwirtes-Verband Ortsverein Flensburg e. V.,
1939 Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe Bezirk Nordmark, Ortsstelle und Kreisgruppe Flensburg,
1949 Landesverband der Hotel- und Gaststättenbetriebe Schleswig-Holstein und
1966 Hotel- und Gaststättenverband Flensburg-Stadt und Land e. V.

pexels-photo-262978

pexels-photo-271668

Anlass für die Gründung des Wirteverein war die Einführung der Reichswährung in Schleswig-Holstein durch Bismarck, die zum 1. August 1874 erfolgen sollte, und die eine Umrechnung der Preise von Schilling Courant auf Reichsmark erforderte. Man wählte einen provisorischen Vorstand, um die Statuten des Vereins zu entwerfen und vereinbarte einen, gemeinsamen Preiscourant über die meistgeforderten Getränke“. Danach werden, wie die Wirte am 26. Juli 1874 in der Tagespresse erklären, die Preise durchschnittlich von 1 ß Crt respektive 4 ß Rm auf 1 gr = 10 Pf erhöht“. Nur der Bierpreis wird bis auf weiteres nicht gesteigert und für 15 Pf ein Seidel verabfolgt werden. ,,3 Hamburger Schilling sollen sodann von den vereinigten Wirten für 20 Pf gerechnet werden“.

In Flensburg war in den letzten zehn Jahren die Währung geteilt. Während der nördliche Teil der Stadt und das ganze nördliche Schleswig 1864 die dänische Reichsmünzenberechnung beibehielt, trat für den südlichen Teil der Stadt nach 1864 durch die Gourantberechnung eine Reduktion der Preise ein. Vor 1864 nahmen die Flensburger Wirte für einen Seidel Bier, einen Grog, einen Punsch oder ein Butterbrot acht Reichsbankschilling. Durch die Gourantberechnung büßten sie in den folgenden zehn Jahren auf das Angebotene je zwei Schleswig-Holstein-Courant ein. Nun endlich konnte man die Verluste wieder aufholen und sich auf einheitliche Preise festlegen, denn es gab damals noch kein Kartellamt, das solche Vereinbarungen hätte verbieten können.

Natürlich war der Korrespondent der Flensburger Nachrichten mit den seiner Ansicht nach zu hohen Preise höchst unzufrieden, jedoch antwortete ihm der Flensburger Wirteverein am 3. August schleunigst und mit Würde: ,,So können wir den geehrten Korrespondenten dahin beruhigen, dass die Wirte selbst eine solche Unzufriedenheit nicht bemerkt haben, da ein jeder nachdenkende Wirtshausbesucher sehr leicht einsehen kann, dass eine solche Steigerung verständig begründet ist. Ferner kommt in Betracht, dass in den letzten zehn Jahren alle Produkte so bedeutend gestiegen sind, namentlich Kaffee, Brot, Butter usw., dass eine Beibehaltung der 2 Schillings-Preise mit Beziehung auf die jetzigen Ansprüche, welche an uns gemacht werden, nur uns selbst ruinieren müssten, daher unsere jetzige Notierung von seitens unserer Kundschaft auch vollständig als begründet angesehen wird.“Herrn Peter Kiesbye, damals 48 Jahre alt, ist die Gründung des Vereins zu danken.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Außer ihm waren im Vorstand: Matduas F.Jordt vom ,,Cafe Handewitt“, Asmus Lucassen, Gastwirt Hafermarkt 973, Andreas Paulsen, Norderhohiweg 969 (heute Glücksburger Straße), und 1. Sörensen. Aus Freienwillen (Freienwill) war im Vorstand Peter Jessen und aus Unaften W Otzen. Peter Kiesbye gab übrigens zum 1. November des darauf folgenden Jahres ,,Sanssouci“ an Hans-Peter Ketelsen ab, der als Oberkellner vom Hotel ,,Germania“ in Kiel nach Flensburg kam. Matthias F. Jordt, er starb 1907 im Alter von 8ljahren, war lange Jahre Präses des Wirteverein und später Ehrenvorsitzender. Er war Mitbegründer der Flensburger Export-Brauerei, die 1888 gegründet. wurde und gehörte auch ihrer Direktion an. Außerdem war er Mitglied des Aufsichtsrates der Volksbank und der Marktpreis Kommission.